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Thüringer Wald – Tschechien – Harz

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Motorradtour Thüringer Wald – Tschechien – Harz

Oder: Im Land der Aufbackbrötchen

Fünf Tage, rund 1.700 Kilometer. Bergauf, bergab, an einem Tag knapp 3.000 Höhenmeter. Vor Jahren hatte ich schon gesagt: Ich möchte den Osten erkunden.
Das mit dem Erkunden hat nicht geklappt.
Keine Burg, kein Museum, keine Altstadt, keine Sehenswürdigkeit. No Point of Interest.
Fahren, Kurven, Teer und tanken.
Und genau dafür hat sich die Reise gelohnt.
Ich kenne die Dolomiten, Südtirol, die Route Napoleon und die Pyrenäen. Alles Regionen, bei denen man schon bei der Planung weiß: Da geht was. Umso überraschender war für mich die Erkenntnis, dass das Gute deutlich näher liegt.
Der Thüringer Wald und später auch der Harz haben eine ganz andere Straßenführung. Keine endlosen Alpenpässe, bei denen man schon von weitem sieht, wo die nächsten zehn Kehren liegen. Stattdessen kleine Straßen, kurze Anstiege, Wald, Kuppen und Kurvenkombinationen. Manchmal durchschaubar, manchmal nicht. Gerade kleine Kuppen haben ihren Reiz. Du kommst oben an, erwartest eine Gerade und bekommst dahinter noch zwei Kurven geschenkt. Sehr freundlich.
Meine Route war vorher auf möglichst kurvig optimiert worden, Sperrungen berücksichtigt. Das hat funktioniert. Wenig große Straßen, viel kleines Zeug und ständig etwas zu tun. Thüringer Wald, Tschechien, Harz. Für mich eine echte Überraschung.
Natürlich könnte man unterwegs anhalten und sich etwas ansehen.
Man könnte.

Dann kam das Essen

Ich hatte mir Thüringen kulinarisch ungefähr so vorgestellt: irgendwo steht eine Wurstbude, davor ein paar Motorräder und jemand verkauft eine Thüringer Rostbratwurst.
Gesehen habe ich keine.
Dafür viermal Aufbackbrötchen. – Viermal –
Ich habe bei der Wahl der Unterkunft und des Essens durchaus unterschiedliche Preisklassen ausprobiert. Das Ergebnis war bemerkenswert konstant. Selbst ein Bison Burger für 28 Euro brachte keine entscheidende Qualitätssteigerung. Immerhin beweist das, dass schlechte Küche nicht zwingend billig sein muss.
Der Höhepunkt waren Bratkartoffeln, die zumindest den Eindruck vermittelten, ihre interessanteste Zeit in einer Mikrowelle verbracht zu haben.
Vielleicht hatte ich einfach Pech. Fünf Tage sind schließlich keine wissenschaftliche Untersuchung. Aber nach dem vierten Aufbackbrötchen beginnt man zumindest eine Arbeitshypothese zu entwickeln.
Trotzdem würde ich die Tour sofort wieder fahren.
Nicht wegen irgendwelcher Sehenswürdigkeiten. Davon habe ich schließlich keine gesehen.
Sondern wegen der Straßen.
Der Thüringer Wald und der Harz müssen sich vor den bekannten Motorradregionen nicht verstecken. Sie sind anders. Weniger spektakulär, dafür überraschend, abwechslungsreich und teilweise richtig schön zu fahren.
Meine Erkenntnis: Für gute Motorradstraßen muss man nicht immer bis in die Alpen oder nach Südfrankreich fahren.
Für ein vernünftiges Frühstück möglicherweise schon.

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